Wieder mal in den Regen gekommen und jetzt drehen sich die Rollen nur noch laut quietschend unter grosser Gewaltanstregnung ?

Stephan Sickert (vielen auch als "Zupf" bekannt) hat hier mal aufgeschrieben, wie´s geht. Und zwar so, dass auch Anfänger damit klar kommen...

   1. Lager ausbauen...
Zuerst muss man natürlich die Rollen ausbauen. Jetzt kommt schon die erste Hürde: Die 2 Lager pro Rolle müssen aus der Rolle herausmontiert werden.

Im Fitness-Skate-Bereich sind Achsen mit 6mm Durchmesser üblich, teilweise auch schon welche mit 8mm, die im Speed-Bereich Gang und Gäbe sind.





6mm-Achsen:
Man versucht, den Spacer (das ist das Plastik- oder Aluminium-Teil, das man axial in den Lagern sehen kann) mitsamt dem gegenüberliegenden Lager aus der Rolle herauszudrücken. Das kann sehr hohen Kraftaufwand erfordern. Relativ leicht tut man sich mit einem Inbusschlüssel von K2. Den steckt man einfach mit dem Inbus voraus durch die Rolle und drückt kräftig auf den Griff. Dann drückt es das Lager auf der anderen Seite ca. 1mm heraus. Jetzt drückt man den Rest mit dem verjüngten Stück des Griffs heraus. Das andere Lager kann man dann von Hand aus der Rolle drücken. Ohne ein solches Werkzeug ist es wirklich schwer, die Lager herauszukriegen.

8mm-Achsen:
Hier hilft am besten der Inbusschlüssel von Salomon, man geht hier mit dem merkwürdig geformten Metallteil am Griff ins Lager, verkantet den Schlüssel etwas und zieht das Lager vorsichtig unter kreisenden Bewegungen aus der Rolle. Hat man kein solches Werkzeug, muss man die Lager vorsichtig mit einem Schraubendreher o.ä. heraushebeln. Jetzt hat man 16..20 geschlossene Lager vor sich liegen.
 
   2. Lager öffnen...
Es gibt 3 gängige Arten, wie Lager verschlossen sind:

Variante 1.) Mit Metalldeckeln mit Federring
Variante 2.) Mit gummierten Metallringen
Variante 3.) Der schlechteste Fall: Mit eingepressten Metalldeckeln

...oder eine Kombinationen aus den Dreien...






Man muss jetzt je nach Verschlussart die Deckel abbekommen. Das geht folgendermassen:

Variante 1.) Federring unter dem Aussenring des Lagers mit einer spitzen Nadel herausfummeln, darauf achten, wo das Teil hinfliegt, um es wiederfinden zu können ;-). Der Lagerdeckel lässt sich dann einfach mit der Nadel abnehmen.







Variante 2.) Deckel einfach mit einer Nadel vom Lager-Innenring her vorsichtig heraushebeln

Variante 3.) Einen der Deckel (und wirklich nur einen!) mit einem kleinen Schraubendreher und dosierter Brachialgewalt heraushebeln. Der Deckel geht dabei kaputt und kann weggeworfen werden! Wenn man allzu unsanft ist, geht auch noch der Kugelkäfig und damit das ganze Lager kaputt, deshalb etwas Vorsicht walten lassen!

Jetzt hat man geöffnete Lager, deren dreckiges Innenleben einen anlacht...
 
   3. Lager reinigen...
Lager sind standardmässig meist gefettet, die Fett-Dreck-Emulsion muss jetzt komplett aus dem Lager gewaschen werden. Den folgenden Absatz muss man nur durchgehen, wenn die Lager wirklich gefettet und nicht geölt sind!

Als Lösungsmittel empfehlen sich Waschbenzin oder ein Teilereiniger aus dem KFZ-Zubehörbereich. Deutlich schlechter geht es leider mit umweltverträglicherem Zitrusreiniger. Man weicht die Lager in einem verschlossenen Glas (z.B. einem leeren Marmeladenglas) ein, schüttelt immer mal wieder kräftig und schaut hin und wieder nach, ob das Fett jetzt wirklich entfernt ist. Das Lösungsmittel dann und wann zu erneuern ist keine schlechte Idee!

Drehen sich die Lager gar nicht mehr, muss man härtere Mittel anwenden. Meist sind die Lager derart verdreckt oder gar angerostet, dass man wirklich die chemische Keule benötigt: WD40! Das Zeug gibt's als Spray im Baumarkt oder in anderen Hobbyläden für um die 6EUR/Flasche. Man legt die Lager für einige Zeit in reichlich WD40 ein und dreht sie dann einzeln durchaus unter Verwendung gröberer Kräfte, bis sie sich wieder leichter drehen. Jetzt ganz normal fortfahren...

War vorher nur Öl im Lager und sind die Lager noch nicht fest (durch Dreck oder Rost), kann man gleich hier weitermachen: Das Öl und den Schmutz bekommt man leicht aus dem Lager, indem man diese kurz in heisses Wasser mit Spülmittel oder Neutralreiniger legt, etwas schüttelt und dreht bis sich die Lager ohne auffällige Geräusche drehen. Dann werden die Lager mit sauberem Wasser ausgespült und möglichst schnell getrocknet. Das passiert am besten im Ofen auf niedrigster Stufe oder mit einem Fön.

Jetzt hat man im Idealfall frisch glänzende Lager vor sich liegen...
 
   4. Lager neu schmieren...
Jetzt werden die Lager frisch gefettet oder geölt. Hier heisst es: Viel hilft NICHT viel! Ein bis max. zwei Tropfen Öl bzw. eine kleine Menge Fett pro Lager reichen völlig! Jetzt dreht man die Lager ein wenig, bis sich das Schmiermittel gleichmässig verteilt hat. Es ist auch bei Öl als Schmiermittel völlig normal, dass sich die Lager jetzt wieder deutlich schlechter drehen wie ohne jedes Schmiermittel!

Meine Empfehlungen für Schmiermittel lauten:

Als Nonplusultra: Ein spezielles Speed-Öl aus dem Inline-Handel. Beispiel: SKF Speed Master Oil.

Als guter Kompromiss in Sachen Haltbarkeit und Leichtlauf: Ein Gel aus dem Inline-Handel. Das kostet allerdings genauso viel wie Öl!

Als 08/15-Öl: Ballistol aus dem Waffenladen. Das ist recht lange haltbar und auch sonst nicht übel. Ausserdem ist es sehr umweltverträglich (aus natürlichen Rohstoffen) und preisgünstig. Allerdings müffelt es unangenehm...

Oder natürlich ganz normales Leichtlauffett aus dem Baumarkt.
 
   5. Lager wieder verschliessen und einbauen...
Nun müssen die Lager wieder verschlossen werden. Nummerierung wie oben:

1.) Lagerdeckel auf Lager legen und den Federring mit einer Stecknadel unter den Lagerrand fummeln.

2.) Einfach den Deckel auflegen und etwas andrücken, er springt dann von selbst in die Nut.

3.) Das Lager hat ja hoffentlich noch den einen Deckel...

Tipp: Generell kann man eine Seite des Lagers offen lassen, dann hat man bei der nächsten Reinigungsaktion weniger Arbeit.

Nun ein Lager auf einer Seite der Rolle hereindrücken, wenn vorhanden die offene Seite nach innen. Von der anderen Seite den Spacer einlegen und das andere Lager reindrücken. Rolle in den Skate einbauen. Fertig !

Es ist übrigens keine schlechte Idee, bei der Gelegenheit auch gleich eventuell vorhandene Plastikspacer durch welche aus Metall zu ersetzen!

Stand: 17.09.03 / Zupf